Österreichs WM-Geschichte - von 1934 bis zum Comeback 2026

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Fünf Sterne auf dem Trikot der Brasilianer, vier bei den Deutschen, drei bei den Argentiniern. Österreich hat keinen Stern – aber eine WM-Geschichte, die reicher ist, als die Zahl der Teilnahmen vermuten lässt. Sieben Mal hat das OeFB-Team an einer Weltmeisterschaft teilgenommen. Die achte steht bevor. Dazwischen liegen Triumphe, die in Vergessenheit geraten sind, eine Nacht in Cordoba, die zur Legende wurde, eine Schande, die den Fußball veränderte, und 28 Jahre, in denen eine ganze Generation österreichischer Fans nie eine WM mit eigener Mannschaft erlebte. Das ist die Geschichte.

Das Wunderteam und die ersten WM-Auftritte

Wer heute den Namen Hugo Meisl hört, reagiert bestenfalls mit vagem Erinnern. Dabei war Meisl in den 1930er-Jahren der Architekt eines Fußball-Wunders. Sein „Wunderteam“ spielte zwischen 1931 und 1932 einen Fußball, der seiner Zeit um Jahrzehnte voraus war: Kurzpässe statt langer Bälle, Positionsspiel statt Individualismus, eine Spielintelligenz, die in Europa ihresgleichen suchte. 14 Spiele in Folge ungeschlagen, ein 5:0 gegen Schottland, ein 6:0 gegen Deutschland – Österreich war die beste Mannschaft Europas.

Bei der WM 1934 in Italien kam das Wunderteam bereits am Ende seiner besten Phase an. Matthias Sindelar, der geniale Stürmer, war verletzt, und die Mannschaft musste ohne ihren wichtigsten Spieler auskommen. Trotzdem: Sieg gegen Frankreich im Achtelfinale, Sieg gegen Ungarn im Viertelfinale, und erst im Halbfinale war Schluss – gegen Gastgeber Italien, in einem Spiel, das von Schiedsrichter-Entscheidungen geprägt war, die heute mit VAR anders ausgefallen wären. Im Spiel um Platz drei verlor Österreich gegen Deutschland 2:3. Vierter Platz bei einer WM – ein Ergebnis, das in der österreichischen Sportgeschichte kaum Beachtung findet, weil das, was danach kam, alles überschattete.

1938 hätte Österreich erneut an der WM in Frankreich teilnehmen sollen. Doch der „Anschluss“ im März 1938 löschte Österreich als eigenständigen Staat von der Landkarte – und damit auch als Fußballnation. Mehrere österreichische Spieler wurden in die deutsche Mannschaft integriert, andere weigerten sich zu spielen. Matthias Sindelar, der „Papierene“, lehnte eine Einberufung ab und starb unter ungeklärten Umständen wenige Monate später. Das Wunderteam war Geschichte – und mit ihm Österreichs goldene Fußball-Ära.

1954 kehrte Österreich zurück. Bei der WM in der Schweiz spielte das OeFB-Team das beste Turnier seiner Geschichte. Ein 1:0 gegen Schottland, ein 5:0 gegen Tschechoslowakei, und dann ein atemberaubendes Viertelfinale gegen die Schweiz, das mit 7:5 endete – bis heute das torreichste Spiel der WM-Geschichte. Im Halbfinale war gegen das überragende Deutschland Schluss (1:6), aber im Spiel um Platz drei gewann Österreich 3:1 gegen Uruguay, den zweifachen Weltmeister. Dritter Platz bei der WM – das bleibt bis heute Österreichs bestes Ergebnis auf der größten Bühne des Fußballs.

Cordoba 1978 – die Nacht, die alles veränderte

Frag einen österreichischen Fußballfan nach dem emotionalsten Moment der Sportgeschichte, und die Antwort kommt ohne Zögern: Cordoba. 21. Juni 1978, Estadio Chateau Carreras, Argentinien. Österreich gegen Deutschland in der zweiten Gruppenphase. Deutschland führt 1:0, dann 2:1. Es sieht aus wie eine weitere Niederlage gegen den großen Nachbarn. Und dann dreht Hans Krankl das Spiel. Erst der Ausgleich durch Karl Heinz Rummenigge (Eigentor), dann das 3:2 durch Krankl in der 88. Minute. Edi Fingers Radiokommentar geht in die Ewigkeit ein: „I werd narrisch! Krankl schiesst ein! 3:2 für Österreich! I werd narrisch!“

Die Bedeutung dieses Moments lässt sich nicht in Statistiken messen. Österreich überstand die zweite Gruppenphase trotzdem nicht – die Mannschaft brauchte ein besseres Ergebnis als nur einen Sieg gegen Deutschland, denn die Niederlanden und Italien waren in derselben Gruppe zu stark. Aber Cordoba wurde zum Symbol für das Selbstbewusstsein einer Fußballnation, die im Schatten ihres größeren Nachbarn lebte. Ein einzelnes Spiel veränderte die Wahrnehmung einer ganzen Generation. In deutschen Wohnzimmern war es eine Schmach, in österreichischen ein Nationalfeiertag.

Die WM 1978 in Argentinien hatte auch eine dunkle Seite. Das Turnier fand unter einer Militärdiktatur statt, und die politischen Umstände warfen einen Schatten auf den Sport. Für das österreichische Team war es dennoch ein Höhepunkt: Die Mannschaft um Hans Krankl, Herbert Prohaska und Bruno Pezzey zeigte einen Fußball, der in Europa Anerkennung fand. Krankl, der in jenem Jahr zum Torschützenkönig der spanischen Liga wurde, war auf dem Höhepunkt seiner Karriere – und Cordoba war sein größter Moment im Nationaldress.

1982 folgte das nächste WM-Kapitel – und das dunkelste. Die „Schande von Gijon“ am 25. Juni 1982, als Deutschland und Österreich ein 1:0 spielten, das beide Teams weiterbrachte und Algerien eliminierte. Das Spiel, bei dem nach dem deutschen Führungstreffer 80 Minuten lang der Ball lustlos hin und her geschoben wurde, führte direkt zur Regeländerung, dass die letzten Gruppenspiele fortan parallel stattfinden müssen. Österreich überstand die Gruppenphase, schied aber in der zweiten Runde aus. Der moralische Preis war hoch: Das Bild der „Nichtangriffspaktes von Gijon“ haftet bis heute an beiden Mannschaften.

Frankreich 1998 – der letzte Auftritt vor dem langen Warten

Zwischen der WM 1982 und der nächsten Teilnahme vergingen 16 Jahre. Österreich verpasste die Turniere 1986, 1990 und 1994 – jedes Mal knapp, jedes Mal schmerzhaft. 1990 in Italien war die Mannschaft noch dabei, aber eine Gruppe mit Italien und Tschechoslowakei erwies sich als zu stark. Dann 16 Jahre Pause, bis die Qualifikation für Frankreich 1998 endlich gelang.

Die Vorfreude war enorm, die Erwartungen gedämpft. In Gruppe B warteten Italien, Chile und Kamerun – drei Teams mit mehr WM-Erfahrung und breiterem Kader. Das Auftaktspiel gegen Kamerun endete 1:1 – ein respektables Ergebnis, das Hoffnung machte. Dann folgte eine 1:2-Niederlage gegen Chile, bei der Österreich die besseren Chancen hatte und dennoch verlor. Und schließlich ein 1:2 gegen Italien, bei dem ein nicht gegebener Elfmeter die österreichischen Medien tagelang beschäftigte. Drei Spiele, ein Punkt, Platz vier in der Gruppe, Ausscheiden nach der Vorrunde.

Was damals niemand ahnte: Es sollte die letzte WM für eine ganze Generation sein. Die Spieler von 1998 – Toni Polster, Andreas Herzog, Peter Stöger – beendeten ihre Karrieren, ohne jemals bei einer WM über die Gruppenphase hinausgekommen zu sein. Und die nächsten sechs Spielergenerationen würden es nicht einmal bis zur WM schaffen.

28 Jahre Durststrecke – warum Österreich so lange warten musste

Die Zahlen sprechen für sich. WM 2002 in Südkorea/Japan: Österreich scheitert in der Qualifikation. 2006 in Deutschland: gescheitert. 2010 in Südafrika: gescheitert. 2014 in Brasilien: gescheitert. 2018 in Russland: gescheitert. 2022 in Katar: gescheitert. Sechs Turniere, sechs Enttäuschungen. Warum?

Die Gründe sind vielschichtig. Die österreichische Bundesliga verlor im europäischen Vergleich an Qualität und Wettbewerbsfähigkeit. Die besten Spieler gingen früh ins Ausland, aber die Nationalmannschaft konnte ihre Stärken nie bündeln. Trainerwechsel im Jahresrhythmus verhinderten den Aufbau einer stabilen Spielidee. Und die Konkurrenz in den europäischen Qualifikationsgruppen war gnadenlos – in fast jeder Gruppe landete Österreich auf einem Platz, der knapp nicht reichte.

Die EM 2008 im eigenen Land brachte als Gastgeber eine automatische Qualifikation, aber sportlich war das Turnier eine Enttäuschung: Drei Niederlagen in drei Spielen. Die EM 2016 in Frankreich war besser – Österreich qualifizierte sich erstmals seit 1998 wieder für ein großes Turnier -, aber erneut folgte das Aus in der Gruppenphase. Es war wie ein Fluch: Österreich kam nah genug heran, um die große Bühne zu sehen, aber nie nah genug, um dort zu glänzen.

Die Stimmung im österreichischen Fußball war nach der verpassten WM 2022 am Tiefpunkt. Der Verband holte Ralf Rangnick – einen Trainer, dessen Name für eine Philosophie steht, nicht nur für eine Methode. Gegenpressing, hohe Intensität, klare Strukturen. Rangnick übernahm ein Team, das Talent hatte, aber keine Identität. Innerhalb von zwei Jahren formte er eine Mannschaft, die die Qualifikationsgruppe H souverän gewann – vor Bosnien, Rumänien, Zypern und San Marino. Österreichs Weg zurück zur WM war kein glücklicher Zufall, sondern das Ergebnis einer systematischen Arbeit, die an Rangnicks gesamte Karrierephilosophie anknüpft.

2026 – das Comeback unter Rangnick

Am Tag der WM-Qualifikation feierten die Spieler auf dem Rasen, und in Wien strömten tausende Fans auf die Straßen. Für viele unter 30 war es das erste Mal, dass sie eine österreichische WM-Qualifikation erlebten. Für die Älteren war es die Erlösung nach fast drei Jahrzehnten. Rangnicks erste Worte nach der Qualifikation waren typisch nüchtern: „Wir haben erreicht, was wir uns vorgenommen haben. Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit.“

Der Kader, den Rangnick zur WM 2026 mitnehmen wird, vereint Erfahrung und Jugend auf eine Art, die Österreich seit den 1950er-Jahren nicht mehr hatte. David Alaba, Kapitän und Weltklassespieler bei Real Madrid, mit über 110 Länderspielen und der Erfahrung von Champions-League-Finals. Marcel Sabitzer, Borussia Dortmunds Mittelfeldmotor, der in den großen Spielen aufblüht. Konrad Laimer, Bayern Münchens Energiebündel, der Rangnicks Pressing-Philosophie wie kein anderer verkörpert. Marko Arnautovic, der Rekordnationalspieler mit über 130 Einsätzen, der seinen ersten WM-Treffer mit 37 Jahren jagen wird – eine persönliche Mission, die die ganze Nation begleitet. Und Christoph Baumgartner, der offensive Kreativspieler, der bei der EM 2024 gegen die Niederlande bewiesen hat, dass er in den großen Momenten liefern kann.

Was diese Mannschaft von früheren österreichischen Generationen unterscheidet, ist die taktische Klarheit. Unter Rangnick weiß jeder Spieler, was er zu tun hat – im Pressing, im Umschaltspiel, bei Standardsituationen. Das war bei früheren Trainern anders: Österreich hatte immer gute Einzelspieler, aber selten ein System, das ihre Stärken maximierte. Rangnick hat dieses System geschaffen, und die Qualifikation hat bewiesen, dass es funktioniert.

In Gruppe J mit Argentinien, Algerien und Jordanien wartet eine Aufgabe, die herausfordernd, aber machbar ist. Der Titelverteidiger ist klar überlegen, aber die Plätze dahinter sind offen. Österreichs Chance auf das Achtelfinale ist real – die Buchmacher sehen sie bei rund 45 Prozent. Und sollte das OeFB-Team die Gruppenphase überstehen, wäre es der größte Erfolg im österreichischen Fußball seit dem dritten Platz 1954 – jenem Turnier, das in der Schweiz stattfand, als Österreichs Fußball noch zu den besten der Welt gehörte.

Die Geschichte der Fußball-WM ist voller Geschichten von Teams, die nach langen Pausen zurückkehrten und überraschten. Dänemark gewann 1992 die EM als Nachrücker. Griechenland wurde 2004 Europameister als größter Außenseiter aller Zeiten. Kroatien erreichte 2018 als Land mit vier Millionen Einwohnern das WM-Finale. Österreich muss nicht Weltmeister werden, um Geschichte zu schreiben. Manchmal reicht es, dabei zu sein – und das Beste daraus zu machen. Für eine Nation, die 28 Jahre gewartet hat, ist allein die Teilnahme bereits ein Triumph. Alles, was darüber hinausgeht, wird zur Legende.

FAQ

Wie oft war Österreich bei einer WM?

Österreich hat an sieben Fußball-Weltmeisterschaften teilgenommen: 1934, 1954, 1958, 1978, 1982, 1990 und 1998. Die WM 2026 in Nordamerika wird die achte Teilnahme sein - die erste seit 28 Jahren.

Was war Österreichs bestes WM-Ergebnis?

Österreichs bestes WM-Ergebnis ist der dritte Platz bei der WM 1954 in der Schweiz. Im Spiel um Platz drei besiegte das OeFB-Team Uruguay mit 3:1. Im Halbfinale war Österreich zuvor gegen den späteren Weltmeister Deutschland 1:6 ausgeschieden.

Österreichs WM-Geschichte - von 1934 bis zum Comeback 2026

Österreich WM 2026 Wetten

30. Juni 1998, Stade de France, Saint-Denis. Österreich verliert 1:2 gegen Italien und scheidet in der Gruppenphase der WM aus. Was damals niemand ahnte: Es sollte 28 Jahre dauern, bis…