48 Nationalmannschaften aus sechs Kontinenten. 16 mehr als bei jeder bisherigen Weltmeisterschaft. Zum ersten Mal in der Geschichte des Fußballs werden Länder wie Jordanien, Haiti und Curaçao auf der größten Bühne des Sports stehen – neben den Giganten Argentinien, Brasilien und Frankreich. Die WM 2026 ist nicht einfach ein größeres Turnier. Es ist ein anderes Turnier, mit anderen Kräfteverhältnissen, anderen Überraschungspotenzialen und einer Tiefe, die es so noch nie gegeben hat.
Als Wettanalyst mit Fokus auf Turnierfussball verbringe ich seit Monaten damit, jedes einzelne dieser 48 Teams zu studieren. Von den Titelkandidaten, deren Kader Milliardenwerte repräsentieren, bis zu den Debütanten, die zum ersten Mal WM-Luft atmen. Was ich dabei entdeckt habe, ist ein Turnier voller Geschichten, Kontraste und – das Wichtigste für Wettende – Gelegenheiten. Dieser Überblick ordnet die 48 Teams ein, zeigt, wer den Titel holen kann, wer für Überraschungen gut ist und wer bei seinem WM-Debüt die Welt begeistern könnte.
48 Nationen, ein Traum – das größte Turnier der Geschichte
Die letzte WM mit 32 Teams fand 2022 in Katar statt. Argentinien gewann den Titel, Marokko begeisterte als Halbfinalist aus Afrika, und Saudi-Arabien schrieb mit dem Sieg gegen Argentinien in der Gruppenphase eines der unglaublichsten Kapitel der WM-Geschichte. All das geschah mit 32 Mannschaften. Jetzt kommen 16 weitere hinzu – und mit ihnen steigt die Wahrscheinlichkeit solcher Überraschungen exponentiell.
Die Aufstockung betrifft vor allem die Konföderationen außerhalb Europas und Südamerikas. Afrika stellt neun statt fünf Vertreter, Asien acht statt vier, CONCACAF sechs statt drei. Europa erhält 16 statt 13 Plätze, Südamerika sechs statt vier. Ozeanien hat erstmals einen garantierten Platz. Das Ergebnis ist ein Turnier, das globaler ist als jedes zuvor – mit Teams aus Ländern, die bei einer 32er-WM nie eine Chance gehabt hätten.
Für Wettende hat die Aufstockung eine direkte Konsequenz: Die Informationsasymmetrie steigt. Bei einer 32er-WM kennt der durchschnittliche europäische Fan die meisten Teams. Bei 48 Teams gibt es Mannschaften, über die selbst Experten wenig wissen. Wer sich die Mühe macht, auch diese Teams zu analysieren, findet dort die größten Quotenungleichgewichte. Die Buchmacher kalkulieren Quoten auf der Basis von Modellen und öffentlicher Wahrnehmung – und bei unbekannten Teams ist die öffentliche Wahrnehmung oft verzerrt.
Ein weiterer Effekt der 48-Teams-WM: Die Gruppenphase wird unberechenbarer. In Vierergruppen mit einem klaren Favoriten, zwei Mittelfeldteams und einem Außenseiter sind Überraschungen wahrscheinlicher als in einer Gruppe, in der alle vier Teams auf ähnlichem Niveau spielen. Jordanien gegen Argentinien klingt nach einer klaren Sache – aber Saudi-Arabiens 2:1 gegen denselben Gegner 2022 hat gezeigt, dass Gruppenspiele bei einer WM ihre eigene Logik haben. Die Nervosität des Auftakts, die ungewohnten klimatischen Bedingungen in Nordamerika und das neue Turnierformat schaffen ein Umfeld, in dem Außenseiter öfter punkten als in einer normalen Qualifikationsrunde.
Die Top-Favoriten – wer holt sich den Titel?
In einem Wiener Wettbüro hängt seit Wochen eine handgeschriebene Liste der WM-Quoten. Ganz oben steht ein Name, der dort seit 2022 nicht mehr wegzudenken ist: Argentinien. Der Titelverteidiger kommt mit einer Quote von etwa 5.00 ins Turnier – der zweite Favorit hinter dem Gastgeber-Bonus, den manche Buchmacher Frankreich oder Brasilien einräumen.
Argentiniens Stärke liegt in der Kontinuität. Trainer Lionel Scaloni hat seit dem WM-Triumph 2022 kaum Personal gewechselt und gleichzeitig junge Spieler wie Enzo Fernandez und Julian Alvarez nahtlos integriert. Die Frage, ob Lionel Messi mit 38 Jahren dabei sein wird, überschattet die Vorbereitung, aber Argentinien hat bewiesen, dass das Team auch ohne ihn auf höchstem Niveau funktioniert. Die Copa America 2024, die Argentinien gewann, war der Beweis: Dieses Team ist systemisch stark, nicht von einer Einzelperson abhängig. Für Wettende bedeutet das: Argentiniens Quote von 5.00 ist fair bewertet, weder übertriebener Value noch überteuert. Die historische Bilanz spricht allerdings gegen eine Titelverteidigung: Seit 1962 hat kein Weltmeister den Titel im Folgeturnier verteidigt. Ob Argentinien diesen Fluch bricht, ist eine der großen Fragen dieses Turniers.
Brasilien kehrt mit einer Generation zurück, die seit 2002 auf den Titel wartet – die längste Durststrecke in der Geschichte der Selecao. Vinicius Junior, Rodrygo und Endrick bilden eine Offensive, die auf dem Papier mit jeder der Welt mithalten kann. Brasiliens Problem in den letzten Turnieren war die Mentalität: Das Viertelfinale-Aus bei der WM 2022 gegen Kroatien – nach Führung durch Neymar – offenbarte eine psychologische Fragilität, die im K.o.-Modus tödlich ist. Ob der neue Trainer diese Wunde geheilt hat, wird sich erst unter Turnierdruck zeigen. Brasiliens Quote liegt bei etwa 6.00 bis 7.00 – ein Wert, der die individuelle Klasse widerspiegelt, aber das Mentalitätsrisiko unterschätzt. Für Value-Jäger ist Brasilien interessanter als Langzeitwette auf den Titel nach der Gruppenphase: Wenn die Selecao die Gruppe C souverän übersteht, sinkt die Quote, und der Einstiegspunkt vorher bietet eine bessere Rendite.
Frankreich ist die Mannschaft, die seit 2018 bei jedem Turnier unter den letzten Vier steht: Weltmeister 2018, Finalist 2022, Halbfinalist bei der EM 2024. Kylian Mbappe ist der pragende Spieler dieser Generation, aber Frankreichs wahre Stärke liegt in der Kadertiefe. Didier Deschamps kann zwei komplette Mannschaften aufstellen, die beide um den Titel spielen könnten. Die Quote von 5.50 bis 6.50 reflektiert diese Konstanz, lässt aber auch Raum für Value – gerade wenn Frankreich eine schwierige Gruppenphase hat und die Quoten für spätere Runden steigen. Frankreichs Schwäche, wenn man sie so nennen will, ist die manchmal pragmatische Spielweise unter Deschamps: Les Bleus gewinnen Turniere häufig hässlich, mit tiefer Verteidigung und Kontern. Das macht sie für Über-Wetten unattraktiv, aber für Siegwetten extrem zuverlässig.
England kommt als ewiger Hoffnungsträger. Jude Bellingham, Bukayo Saka und Phil Foden bilden das wohl talentierteste englische Mittelfeld seit der Generation um Gascoigne und Scholes. Englands Trauma ist das Scheitern in den entscheidenden Momenten – drei Halbfinalniederlage und eine Finalniederlage in den letzten vier Turnieren. Die Quote liegt bei etwa 7.00 bis 8.00, und ich halte sie für leicht zu hoch bewertet: Englands Kaderqualität ist auf Top-3-Niveau, aber die mentale Hürde bleibt bestehen. In Gruppe L neben Kroatien, Ghana und Panama sollte England souverän weiterkommen – die eigentliche Frage ist, ob das Team im Viertelfinale oder Halbfinale erneut scheitert. Für Wettende, die an Englands Durchbruch glauben, bietet die 7.00er-Quote eine bessere Rendite als Argentinien oder Frankreich bei ähnlicher Kaderqualität.
Spanien und Deutschland komplettieren den Kreis der ernsthaften Titelkandidaten. Spanien hat bei der EM 2024 eine Generation offenbart, die mit Lamine Yamal und Pedri die nächsten zehn Jahre prägen könnte – die Quote von 8.00 bis 9.00 unterschätzt diese Mannschaft, die den Europameistertitel mit einem Durchschnittsalter von 26 Jahren gewann und seitdem weiter gereift ist. Deutschland durchlebt nach dem Heim-EM-Aus eine Neuausrichtung, deren Ergebnis bei Turnierbeginn noch nicht absehbar ist. Die deutsche Mannschaft ist für österreichische Fans von besonderem Interesse: Viele der Schlüsselspieler treten wöchentlich in der Bundesliga an, und die taktische Verwandtschaft zwischen Rangnicks Österreich und dem deutschen Ansatz bietet interessante Vergleichspunkte. Wer regelmäßig die Bundesliga verfolgt, hat bei Wetten auf deutsche Spiele einen Informationsvorsprung gegenüber Wettenden, die nur den Kicker-Liveticker kennen.
Geheimtipps – Teams, die überraschen könnten
Bei jeder WM gibt es eine Mannschaft, die niemand auf dem Zettel hatte und die plötzlich das halbe Turnier aufmischt. 2014 war es Costa Rica, das Deutschland, Uruguay und Italien aus der Gruppe warf. 2018 überraschte Kroatien mit dem Einzug ins Finale. 2022 schrieb Marokko Geschichte als erstes afrikanisches Halbfinalteam. Bei 48 Teams ist die Wahrscheinlichkeit für eine solche Überraschung höher denn je.
Marokko gehört zu den Teams, die den Sprung vom Geheimtipp zum ernsthaften Konkurrenten geschafft haben. Der Halbfinaleinzug 2022 war kein Zufall: Hakimi, Amrabat und Ziyech spielen bei europäischen Spitzenclubs, die Defensive unter Trainer Walid Regragui ist eine der organisiertesten der Welt. In Gruppe C neben Brasilien, Schottland und Haiti sollte Marokko mindestens den zweiten Platz sichern. Die Quote auf das Viertelfinale liegt bei etwa 5.00 bis 6.00 – Value, wenn die Defensive hält.
Kolumbien hat sich unter Trainer Nestor Lorenzo zu einem der konstantesten südamerikanischen Teams entwickelt. Das Mittelfeld um James Rodrigüz – der bei Turnieren regelmäßig Weltklasse abliefert – und Luis Diaz von Liverpool ist kreativ und unberechenbar. In Gruppe K neben Portugal, Usbekistan und einem Playoff-Team hat Kolumbien realistische Chancen auf den zweiten Platz. Die Quoten auf das Achtelfinale liegen bei etwa 1.80 – moderat, aber als Basis für weitergehende Turnieranalysen nützlich.
Japan ist das asiatische Team, das europäische Fans am meisten beeindruckt. Die Mannschaft um Kaoru Mitoma, Takefusa Kubo und Takehiro Tomiyasu hat in den letzten Jahren Deutschland und Spanien bei der WM 2022 geschlagen. In Gruppe F neben den Niederlanden, Tunesien und einem UEFA-Playoff-Team ist Japan ein ernsthafter Anwärter auf den Gruppensieg. Die Quote auf das Viertelfinale liegt bei etwa 7.00 bis 9.00 – attraktiv für ein Team, das bei den letzten beiden Turnieren die Gruppenphase überstanden hat.
Die Elfenbeinküste repräsentiert die neue Welle des afrikanischen Fußballs. Der Afrika-Cup-Sieg 2024 als Gastgeber war emotionsgeladen und taktisch beeindruckend. In Gruppe E neben Deutschland, Ecuador und Curaçao hat die Mannschaft um Sebastien Haller und Simon Adingra die Qualität, für Probleme zu sorgen. Für Wettende ist die Elfenbeinküste der Prototyp des unterschätzten Teams: stark genug für das Achtelfinale, aber in den Quoten oft zu hoch angesetzt.
Senegal verdient besondere Erwähnung. Der Afrika-Cup-Sieger von 2022 hat den Abgang von Sadio Mane kompensiert und eine neue Welle junger Talente integriert. In Gruppe I neben Frankreich und Norwegen ist Senegal der Stolperstein, den beide europäischen Teams fürchten. Senegals physische Präsenz, die taktische Disziplin und die Geschwindigkeit im Umschaltspiel machen die Mannschaft zu einem unbeqümen Gegner für jedes Team der Welt. Die Quote auf das Achtelfinale liegt bei etwa 2.00 bis 2.50 – und wer sieht, wie Senegal bei der WM 2022 die Gruppe überstanden hat, wird diesen Wert als fair empfinden.
Neben diesen fünf Geheimtipps lohnt ein Blick auf Ecuador, das in Gruppe E neben Deutschland steht und mit Moises Caicedo einen der besten defensiven Mittelfeldspieler der Welt in seinen Reihen hat. Auch die USA als Gastgeber in Gruppe D verdienen Aufmerksamkeit: Der Heimvorteil bei einer WM ist statistisch signifikant, und die amerikanische Mannschaft hat in den letzten Jahren enorm an Qualität gewonnen. Christian Pulisic, Weston McKennie und Gio Reyna bilden ein Mittelfeld, das in den europäischen Topligen Erfahrung gesammelt hat.
Österreich – unser Team bei der WM
Über Österreich habe ich auf einer eigenen Seite ausführlich geschrieben – hier nur der Kern: Nach 28 Jahren WM-Abstinenz kehrt das Team unter Ralf Rangnick zurück, als Gruppensieger der Qualifikation, mit einer taktischen Identität, die europaweit Respekt genießt. Die Gruppe J mit Argentinien, Algerien und Jordanien ist anspruchsvoll, aber der Einzug in die K.o.-Runde ist realistisch.
Für österreichische Wettende bietet das eigene Team eine einzigartige Gelegenheit: Du kennst die Spieler, du verstehst die Taktik, du verfolgst die Vorbereitung in den österreichischen Medien. Dieser Informationsvorsprung gegenüber internationalen Buchmachern, die ihre Modelle auf globale Daten stützen, ist real und nutzbar. Nicht jede Wette auf Österreich ist eine gute Wette – aber informierte Wetten auf Österreich haben einen strukturellen Vorteil, den du bei keinem anderen Team hast.
Im Kontext aller 48 Teams gehört Österreich zur Gruppe der 15 bis 20 stärksten Mannschaften des Turniers. Stärker als die meisten Debütanten und Außenseiter, schwächer als die Top-Sechs-Favoriten, auf Augenhöhe mit Teams wie Kroatien, der Schweiz, Senegal oder Japan. Diese Einstufung ist entscheidend für die Quotenbewertung: Österreichs Quoten auf den Weltmeistertitel (über 100.00) reflektieren korrekt, dass der Titel unrealistisch ist. Aber die Quoten auf das Achtelfinale (um 2.20) und das Viertelfinale (8.00 bis 10.00) bieten genügend Raum für Value-Analysen.
Die Debütanten – wenn der WM-Traum wahr wird
Es gibt Momente im Fußball, die größer sind als das Ergebnis. Für Jordanien, Haiti, Curaçao und die Teams aus den interkontinentalen Playoffs ist allein die Teilnahme an der WM 2026 eine historische Leistung. Diese Mannschaften werden in den Quoten als klare Außenseiter geführt – und in den meisten Fällen ist das gerechtfertigt. Aber die Geschichte der WM zeigt, dass Debütanten nicht zu unterschätzen sind.
Jordanien steht in Österreichs Gruppe und verdient besondere Aufmerksamkeit. Das Halbfinale beim Asien-Cup 2024 war keine Eintagsfliege, sondern das Ergebnis einer langjährigen Entwicklungsstrategie. Der jordanische Fußball hat in den letzten zehn Jahren massiv in die Jugendarbeit investiert, und die Früchte zeigen sich in einer Mannschaft, die diszipliniert verteidigt und schnell umschaltet. Gegen Österreich wird Jordanien als Außenseiter antreten – aber mit einer Entschlossenheit, die Quoten nicht messen können. Der Markt „Jordanien erzielt mindestens ein Tor im Turnier“ dürfte bei attraktiven 1.70 bis 1.90 liegen – ein realistischer Wert für eine Mannschaft, die beim Asien-Cup gegen Südkorea und Irak getroffen hat.
Haiti kehrt nach 1974 zum zweiten Mal zur WM zurück – ein halbes Jahrhundert liegt zwischen den beiden Teilnahmen. In Gruppe C neben Brasilien, Marokko und Schottland ist die Ausgangslage extrem schwierig, aber die haitianische Diaspora in Nordamerika – über eine Million Menschen allein in den USA – wird für eine Atmosphäre sorgen, die an ein Heimspiel grenzt. Curaçao in Gruppe E ist mit rund 150.000 Einwohnern das kleinste Land bei der WM 2026 – eine Cinderella-Geschichte, die den Charme dieses erweiterten Turniers perfekt einfängt. Beide Teams werden in den Wettmärkten als Futter für die Favoriten gehandelt, und in den meisten Spielen wird das zutreffen. Aber wer die WM 1998 erlebt hat, als Jamaika die Welt begeisterte, weiß: Ein einziges Tor, ein einziger magischer Moment kann ein ganzes Land verändern.
Usbekistan in Gruppe K neben Portugal und Kolumbien ist ein Debütant, den ich besonders auf dem Radar habe. Die usbekische Liga hat in den letzten Jahren in Infrastruktur und Talententwicklung investiert, und mehrere Schlüsselspieler haben den Sprung zu europäischen Vereinen geschafft. Die Mannschaft spielt einen mutigen, offensiven Fußball, der bei einer WM für frischen Wind sorgen könnte. Die Quoten auf Usbekistans Weiterkommen liegen bei astronomischen 10.00 bis 15.00 – für eine kleine symbolische Wette durchaus reizvoll, als ernsthafte Strategie aber zu riskant.
Neuseeland repräsentiert Ozeanien und hat zum ersten Mal seit 2010 wieder einen garantierten WM-Platz. In Gruppe G neben Belgien, Ägypten und Iran ist der Weg steinig, aber die All Whites haben in der ozeanischen Qualifikation bewiesen, dass sie über eine solide Defensive verfügen. Kap Verde, der Inselstaat vor der Küste Westafrikas, steht in Gruppe H neben Spanien, Saudi-Arabien und Uruguay – eine Gruppe, in der jedes Spiel ein Abenteuer sein wird. Für Wettende bieten die Debütanten vor allem eines: Möglichkeiten in den Nebenmärkten. „Über 0.5 Tore für den Außenseiter“, „Kein Tor in der ersten Halbzeit“, „Handicap +2.5“ – diese Märkte sind bei Debütanten-Spielen oft attraktiver als die klassische Siegwette.
Europas Vertreter – mehr als nur die Großen
Europa stellt mit 16 Teams das größte Kontingent – und hinter den sechs Favoriten verbirgt sich eine zweite Reihe, die für Wettende besonders interessant ist, weil die Quoten dort oft großzügiger ausfallen als die tatsächliche Qualität rechtfertigt.
Kroatien hat sich in den letzten drei Turnieren als Konstante etabliert: Finalist 2018, Dritter 2022, mit Luka Modric als ewigem Dirigenten. In Gruppe L neben England, Ghana und Panama hat Kroatien die Qualität für den zweiten Platz, aber Modrics nachlassende Geschwindigkeit und die fehlende Kadertiefe könnten zum Problem werden. Die Quote auf das Weiterkommen liegt bei etwa 1.50 – fair, nicht mehr.
Die Niederlande in Gruppe F neben Japan, Tunesien und einem UEFA-Playoff-Team sind ein Team im Umbruch. Die goldene Generation um Frenkie de Jong und Virgil van Dijk hat ihren Zenit überschritten, und die nächste Welle – Xavi Simons, Ryan Gravenberch – ist noch nicht gereift. Oranjes Quoten auf den Titel liegen bei 12.00 bis 15.00 und erscheinen realistisch: Zu gut für das Vorrunde-Aus, zu inkonsistent für den Titel.
Belgien, die Schweiz und Portugal vervollständigen Europas starken Block. Belgien befindet sich mitten im Generationenwechsel – die goldene Generation um De Bruyne und Courtois weicht langsam jüngeren Spielern. Die Schweiz unter dem pragmatischen Trainer Murat Yakin hat sich als unbeqümer Turniergegner etabliert und steht in Gruppe B neben Kanada und Katar. Portugal mit Grupo K (Kolumbien, Usbekistan) hat mit einer alternden Stammelf um Cristiano Ronaldo und Bruno Fernandes noch immer die Einzelspielerqualität für tiefe Turnierrunden – aber die taktische Rigidität könnte gegen schnelle, flexible Gegner zum Verhängnis werden.
Norwegens Erling Haaland spielt zum ersten Mal bei einem großen Turnier – ein Fakt, der allein das Potenzial für Überraschungen in Gruppe I birgt. Haaland hat in der Premier League und der Champions League alles gewonnen, aber ein Turnier mit der Nationalmannschaft fehlt in seiner Vitrine. In einer Gruppe mit Frankreich und Senegal wird Norwegen kämpfen müssen, aber Haalands Torinstinkt macht jedes Spiel unberechenbar. Die Quote auf „Haaland trifft im Turnier“ liegt bei unter 1.50 – wenig Value, aber ein Indikator dafür, wie hoch die Erwartungen sind.
Schottland in Gruppe C neben Brasilien und Marokko steht vor einer Herkulesaufgabe. Die Tartan Army wird in Nordamerika präsent sein – schottische Fans gehören zu den reisefreudigsten der Welt -, aber sportlich wäre schon ein Punkt in der Gruppenphase ein Erfolg. Und Österreichs Nachbar in der Qualifikation, Rumänien, hat den Sprung nicht geschafft – was die Qualität von Rangnicks Gruppensieg zusätzlich unterstreicht. Europa dominiert die WM historisch, und mit 16 Teams ist die Dichte an europäischen Mannschaften so hoch wie nie. Für Wettende bedeutet das: In fast jeder Gruppe steht mindestens ein europäisches Team, dessen Spielstil und Kader du als österreichischer Fan aus der Bundesliga oder der Champions League kennst. Dieses Wissen ist ein Vorteil, den du nutzen solltest.
Südamerika, Afrika und Asien – die globale Vielfalt
Wer nur europäischen Fußball verfolgt, verpasst bei dieser WM die Hälfte der Geschichte. Die Aufstockung auf 48 Teams hat den Anteil nicht-europäischer Mannschaften deutlich erhöht – und damit die Bandbreite an Spielstilen, die bei diesem Turnier aufeinandertreffen.
Südamerika bringt neben den Giganten Argentinien und Brasilien vier weitere Teams: Uruguay, Paraguay, Ecuador und Kolumbien. Uruguay in Gruppe H neben Spanien, Kap Verde und Saudi-Arabien hat mit Darwin Nunez und Federico Valverde zwei Spieler von absolutem Weltformat. Die Celeste hat bei den letzten beiden Weltmeisterschaften jeweils die Gruppenphase überstanden und besitzt eine Turniermentalität, die nur wenige Mannschaften weltweit erreichen. Ecuadors Mittelfeld um Moises Caicedo (Chelsea) ist eines der dynamischsten des Turniers – gegen Deutschland in Gruppe E wird dieses Duell eines der taktisch spannendsten der Gruppenphase. Paraguay kehrt nach längerer Abwesenheit zurück und steht in der Gruppe D der Gastgeber USA – eine Aufgabe, die schwer, aber nicht unmöglich ist. Paraguays Defensivstärke und Konterqualität könnten in einer Gruppe mit dem nervös erwarteten Gastgeber für Unruhe sorgen.
Afrikas neun Vertreter machen dieses Turnier zum afrikanischsten der Geschichte. Neben Marokko und der Elfenbeinküste bringen Ägypten, Algerien, Ghana, Tunesien, Südafrika, Senegal und Kap Verde unterschiedliche Fußballkulturen mit. Senegal in Gruppe I ist nach dem Afrika-Cup-Sieg 2022 und dem starken WM-Auftritt in Katar ein ernstzunehmender Konkurrent für jeden Gruppengegner – die senegalesische Mannschaft verbindet physische Präsenz mit taktischer Raffinesse auf einem Niveau, das viele europäische Teams in Schwierigkeiten bringt. Ägypten mit Mohamed Salah in Gruppe G neben Belgien, Iran und Neuseeland hat den Einzelspieler, der Spiele allein entscheiden kann. Ghana in Gruppe L neben England und Kroatien trägt die Erinnerung an das dramatische Viertelfinale 2010 gegen Uruguay mit sich – eine Mannschaft mit Geschichte und Ehrgeiz. Südafrika eröffnet das Turnier gegen Mexiko im Estadio Azteca und wird von der südafrikanischen Diaspora in Nordamerika lautstark unterstützt werden.
Asiens acht Vertreter – Japan, Südkorea, Australien, Saudi-Arabien, Iran, Katar, Jordanien und Usbekistan – zeigen die wachsende Qualität des asiatischen Fußballs. Südkorea hat mit Son Heung-min einen Weltstar, der bei seiner letzten großen WM noch einmal alles geben wird. Saudi-Arabien hat nach dem Sieg gegen Argentinien 2022 den Ruf des harmlosen Außenseiters endgültig abgelegt und investiert massiv in die Saudi Pro League, um die eigene Spielkultur auf ein neues Niveau zu heben. Iran in Gruppe G ist eine der erfahrensten asiatischen WM-Mannschaften und bringt eine organisierte Defensive mit, die in der Gruppenphase für Überraschungen sorgen kann. Usbekistan in Gruppe K debütiert bei einer WM und bringt eine junge, technisch begabte Mannschaft mit, die in der asiatischen Qualifikation für Aufsehen gesorgt hat.
Für Wettende bieten diese Teams eine zentrale Erkenntnis: Die Quoten auf nicht-europäische Teams sind oft großzügiger, weil der europäische Massenmarkt diese Mannschaften weniger kennt und daher weniger auf sie wettet. Die Buchmacher passen ihre Quoten an das Wettverhalten an – und wenn die Mehrheit der europäischen Wettenden Brasilien oder Frankreich spielt, bleiben die Quoten für afrikanische oder asiatische Teams länger attraktiv als sie es statistisch sein sollten.
Die Gastgeberländer verdienen einen eigenen Blick. Die USA stehen als Hauptgastgeber unter enormem Druck, eine gute Figur abzugeben – nicht nur sportlich, sondern auch für die Entwicklung des Fußballs im Land. In Gruppe D neben Paraguay, Australien und einem UEFA-Playoff-Team sollte die Qualifikation machbar sein. Mexiko eröffnet das Turnier im eigenen Estadio Azteca und hat den Heimvorteil von drei Stadien. Kanada, beim letzten WM-Auftritt 1986 noch ohne Torerfolg, hat sich unter Trainer Jesse Marsch zu einer ernstzunehmenden Kraft entwickelt – Alphonso Davies von Bayern München ist der prominenteste Name eines Kaders, der in den europäischen Topligen zunehmend Fuss fasst.
Wer die Gruppenkonstellationen nutzt, um gezielt auf Value-Lücken bei unbekannteren Teams zu wetten, hat einen strukturellen Vorteil im größten Fußballturnier aller Zeiten. Die WM 2026 belohnt nicht denjenigen, der am lautesten auf die Favoriten setzt, sondern denjenigen, der am gründlichsten recherchiert – über alle 48 Teams hinweg.
FAQ
Wie viele Teams nehmen an der WM 2026 teil?
An der WM 2026 nehmen erstmals 48 Mannschaften teil - 16 mehr als bei den bisherigen Weltmeisterschaften mit 32 Teams. Die 48 Teams werden in 12 Gruppen zu je vier Mannschaften aufgeteilt. Die besten zwei jeder Gruppe sowie die acht besten Gruppendritten erreichen die K.o.-Runde, die mit der Runde der 32 beginnt.
Welche Teams sind bei der WM 2026 Favoriten?
Argentinien als Titelverteidiger führt die Liste der Favoriten an, gefolgt von Brasilien, Frankreich, England, Spanien und Deutschland. Die Quoten auf den Titel liegen für Argentinien bei etwa 5.00, für Brasilien und Frankreich zwischen 6.00 und 7.00. Als Geheimtipps gelten Marokko, Japan und Kolumbien.
Gibt es WM-Debütanten 2026?
Ja, mehrere Mannschaften nehmen erstmals an einer Weltmeisterschaft teil, darunter Jordanien (in Österreichs Gruppe J), Haiti und Curaçao. Die Aufstockung auf 48 Teams hat es Ländern ermöglicht, sich zu qualifizieren, die bei einem 32er-Format keine Chance gehabt hätten. Auch Teams wie Usbekistan sind zum ersten Mal dabei.
